Das aufgebaute Modul auf einem Icom-Receiver
Eine klassische Drahtantenne ist für den
Bereich der Kurzwelle sicher bestens geeignet. Soll es aber beim Empfang in den
Keller der Frequenzen gehen, wird die tatsächlich errechnete Drahtlänge schon
mal zum Problem. Abhilfe kann die Anschaffung einer Ferritantenne bringen, wie
sie zum Beispiel von der Firma BAZ Spezialantennen hergestellt und vertrieben
wird. Hartmut Brodien, DE2HBD hatte zwei dieser Module mit dem Grundgerät
VM/DX-B2 auf dem Hobbytisch.
Lang- und Mittelwelle empfangen
Wer noch ein altes Röhrenradio sein Eigen
nennt, hat die Wirkung der internen Ferritantenne für Lang- und Mittelwelle
schon in den 50er Jahren kennen gelernt. Im Hobbyraum bei DE2HBD steht noch ein
betagter, aber betriebsbereiter Juwel 2 von RFT, der damals aus Rochlitz in der
DDR kam und 1958 für viel Geld angeschafft wurde.
Das Gerät besitzt Buchsen für externe
Antennen an der Rückseite, zusätzlich kann man von vorn die eingebaute
Ferritantenne drehen und so die Richtwirkung dieser Antennenart für Mittel- und
Langwelle nutzbar machen. Hertzsche Wellen, die uns für dieses Hobby begeistern
und kaum wieder los lassen, wenn sie uns einmal gefangen nahmen, haben nicht nur
diese faszinierende, sondern technisch gesehen vor allem eine elektrische und
magnetische Komponente bei ihrer Ausbreitung.
Die elektrisch auf unzählige Antennen
einwirkende Funkwelle wird von Drahtantennen, wie zum Beispiel dem Dipol, der
Quad, dem einfachen Langdraht oder einer Windom aufgenommen und dem Empfänger
über ein Kabel als Signal zugeführt. Für die magnetische Wirkung beim Empfang
sind Ferrit- oder auch Loop-Antennen konstruiert worden, die vor allem in ihren
Dimensionen wenig Platz beanspruchen.
Wer ist denn schon in der Lage, nur die
Halbwellenlänge als Draht aufzuspannen, wenn er Deutschlandradio Kultur auf 177
kHz hören möchte? Eine „Strippe“ von etwa 850 m wäre notwendig! Hier müsste
auch und gerade unser kurzer Eigenbau-Dipol an der Zimmerdecke, wie wir ihn in
FE-Ausgabe 41 vorgestellt hatten, bedingungslos passen.
Bedienfeld und Rückseite
Spule und Drehkondensator
Die Wirkung magnetisch arbeitender Antennen ist
recht unkompliziert. Sie haben aber, und das sei gleich eingangs erwähnt, vor
allem gegenüber den elektrisch wirkenden Antennen den Vorteil, dass es bei der
magnetischen Komponente der Wellen eine geringere Dämpfung beim Durchdringen
von Mauerwerk, Holz oder anderen Materialien gibt. Auch werden Störungen von
Haushaltgeräten etc. geringer aufgenommen, was dadurch für einen Innenbetrieb
nahe dem Empfänger spricht. Bei der Ferritantenne ist es eine Spule aus vielen
Windungen isolierter Kupferlitze, mit etwas Abstand auf den Ferritkörper
gewickelt.
Die Loop-Antenne dagegen hat diesen typischen
Ring aus Metall, altdeutsch Schleife genannt, also praktisch eine einzelne
Spulenwindung darstellend. Mit einem Drehkondensator wird diese Spule parallel
geschaltet und bildet so einen abstimmbaren Schwingkreis. Markant hierbei ist
eine ausgeprägte Richtwirkung, was sehr nützlich sein kann, wenn zum Beispiel
eine andere Station oder Störung auf benachbarter oder gar gleicher Frequenz
ausgeblendet werden soll.
Die Ferritantenne dreht man mit der Breitseite
zum Nutzsignal, die Loop-Antenne hingegen mit ihrer Längsseite, weil die Wellen
nicht quer, sondern senkrecht auf die Spule treffen. Mit dem Drehkondensator
bringt man diesen Schwingkreis in Resonanz zur eingestellten Frequenz, und schon
bewegt sich das S-Meter merklich nach oben und der zunächst vielleicht noch
verrauscht zu hörende Sender klingt nun im Audio wesendlich angenehmer.
Aber wollen wir nicht weiter ins Detail gehen,
weil es hier nicht um eine Prüfungsvorbereitung gehen soll und viele Leser das
Prinzip hinlänglich kennen werden. Wir wollen doch einfach nur Radio hören und
ausprobieren, was diese zu testende Ferritantenne mit ihren Modulen vermag.
Die VM/DX-B2 und ihre Module
Der Lieferung entnehmen wir das Grundgerät
VM/DX-B2 mit einem Leichtgewicht von nur 525 g und den Maßen von 10 x 16 x 6 cm
(B x T x H), vorn zur Bedienung pultartig abgeschrägt. An der Oberseite
befindet sich eine Aufnahmebuchse für die kompakten 6,5 mm
Neutrik-Klinkenverbindungen der dadurch gut drehbaren Ferritmodule. Hinten ragt
eine BNC-Kupplung aus dem Gehäuse, an der man mittels beiliegendem Kabel eine
Signalverbindung zum Empfänger herstellt.
Nebenan der Anschluss für die Stromversorgung.
Hier kann ein Netzteil mit maximal 12 Volt oder der optional erhältliche
Batteriepack (4,5 Volt) angeschlossen werden. Letzterer Variante sollte man
wegen einer gezielten Begrenzung der einwirkenden Störungsmöglichkeiten den
Vorzug geben, zumal das Grundgerät mit weit weniger als einem Watt zufrieden
ist. Gerade auch für Freilandempfang sind diese 17,60 € eine durchaus ratsame
Zusatzausgabe!
Im Karton liegen außerdem zwei stabile
Ferrit-Module, die in der Hand zunächst recht schwer erscheinen, schließlich
aber nur ca. 400 g je Modul auf die Waage bringen. Der Durchmesser für eine
Volldrehung sollte im Hobbyeck ca. 35 cm betragen. Unsere beiden Ferritstäbe
haben die Bezeichnung LFM und sind für 100 bis 500 kHz, sowie für 500 bis 2900
kHz ausgelegt, sollten also in diesen Bereichen abstimmbar sein, wenn wir alle
Schalter richtig positioniert haben. Nach dem Aufbau kann die Wellenreise
beginnen…
BAZ-Antenne „kontra“ Langdraht
Zum Vergleich sollte eigentlich der Dipol an
der Zimmerdecke herangezogen werden, aber wegen seiner kurzen Länge wäre das für
Lang- und Mittelwelle nicht sehr realistisch. So wird als „Gegenspieler“ der
endgespeiste Langdraht (25 m) im Garten fungieren, mit dem selbst noch ein
starker Radiosender auf Langwelle ausreichend hörbar ist. Als Empfänger wird
der neuzeitliche Transceiver Icom IC-7400 „missbraucht“. Was bleibt einem
Empfangsamateur bei dem zusammengebrochenen Angebot an ernstzunehmenden Empfängern
alternativ noch übrig?
Noch vor einigen Jahren hatte man die Wahl zwischen Yaesu, Icom, Lowe, NRD, Drake oder AOR. Zum Glück, es dürfen nun auch Transceiver von Amateuren ohne Sendelizenz ausschließlich zum Empfang gekauft und betrieben werden. Diese ausgereifte Technik gibt es z. B. mit dem handlichen Icom IC-718 schon zu einem Neupreis von ca. 600 € und optisch ist er beinahe ein Icom IC-R75! Aber das wäre sicher einmal ein anderes Thema in FUNKEMPFANG.DE.
DCF 39 in Burg
Bei Wikipedia heißt es: "DCF39 und
DCF49 sind von der Deutschen Telekom AG im Auftrag der Europäischen
Funkrundsteuerung betriebene Funkdienste zur Fernsteuerung von elektrischen
Verbrauchern (z. B. Straßenlampen) sowie zur Tarif- und Laststeuerung bei
Energieversorgungsunternehmen." Quelle
Die Langwelle „bergauf“
Wir beginnen unsere Stationssuche am frühen
Abend ganz tief „unten“ beim Zeitgeber DCF77 in Mainflingen, der mit dem
Modul 100-500 kHz noch nicht empfangbar sein dürfte, aber siehe da, … es
piept auf 77,5 kHz. Die Verstärkungsregelung am Grundgerät reicht von einer
9-Uhr-Stellung bis hin zu einer 19-Uhr-Stellung, wobei wir uns, um vergleichbare
Werte zu bekommen, auf die 15-Uhr-Stellung festlegen wollen. Beim Drehen des
Moduls wird sofort die Richtcharakteristik der Antenne
spürbar und es kommt an einer gewissen Stelle zum „Ausnullen“ dieses
Signals. Übrig bleibt Rauschen, wie auch kraftlos von der Drahtantenne
abgegeben.
Weiter geht es Richtung 100 kHz, begleitet von
einem rhythmischen Pulsieren auf
beinahe jeder Frequenz: vermutlich der Elektrozaun einer nahen Pferdekoppel. Auf
139 kHz dann ein trällerndes Signal auf einem Dauerträger mit S9. Das bringt
nun auch der Langdraht mit S4 und etwas akustischem Nebel. Der Sender hat die
Bezeichnung DCF39 und kommt aus Burg, wo einst der legendäre Soldatensender
stationiert war. Wir drehen bis zu 147,3 kHz weiter und erwarten das RTTY-Signal
vom Deutschen Wetterdienst DDH47, aber der Sender ist mit dem Draht gerade noch
so zu erahnen.
Nun kann „Ferrit“ wieder zeigen, was es zu
bieten hat. Nicht verwunderlich: Der Soundkartendekoder MixW im PC schreibt
fehlerfreien Klartext von einem satten Signal und einer angezeigten S6. Mit AM
und dem Rundfunkbereich der Langwelle soll es weiter gehen. Auf 153 kHz haben
wir mit S9 ein fest stehendes Powersignal und einen auf die Nerven gehenden Ton.
DRM macht’s möglich, solange dieser „Neuerung“ nicht die Puste ausgeht
wie dem geprobten Digitalverfahren namens DAB.
Suchen wir also nach einem herkömmlichen Übertragungsverfahren auf Langwelle und finden stark und souverän auf 177 kHz Deutschlandradio Kultur mit S9+10dB. Auch der Langdraht kann mit S7 und Hintergrundrauschen etwas „mitreden“. Auf 216 kHz haben wir nochmals einen Träger von S9+10dB ohne akustisches Nutzsignal, aber dann kommt Ceský Rozhlas 1 aus Topolná auf 270 kHz mit einem Ohrenschmaus an Musik. Auch der Langdraht kann beinahe mithalten. BAZ bringt es allerdings zu Ortssenderqualität!
Weidezaun-Störungen
Die Suche nach NDBs bis 500 kHz wird uns vom
heimischen Weidezaun „vermasselt“, nur die ortsnahe Flugnavigation auf 374
kHz mit der Kennung FS ist gut hörbar. Ach wie schön waren die Zeiten damals
im ungestörten Garten-QTH auf dem Lande, als man das NDB von Innsbruck oder gar
von Athen im NRD-535DG deutlich hören konnte! Leider Geschichte, … oder man
sollte einmal ernsthaft über Freiland-DX nachdenken.
Rundfunk auf Mittelwelle und weiter …
Bei 520 kHz wird das Modul gewechselt. Und
immer noch peitscht das Signal vom Weidezaun dazwischen. Sollte die orientalisch
klingende Musik im Rauschteppich auf 531 kHz wirklich aus Algerien kommen?
Allerdings kein Hörgenuss! Auf 540 kHz klingt es dann aber laut und deutlich
ungarisch, Kossuth Radio sendet hier mit 2000 kW, findet aber den Weg zur
Drahtantenne nicht so recht.
BAZ bringt S9+10dB und ein gutes Audio. Gleich
9 kHz weiter kommt der Deutschlandfunk, aber eben auch ausschließlich mit BAZ.
Der Langdraht bringt das große Chaos im Äther zu Gehör. Auf 675 kHz sendet
Radio Maria aus Lopik in Holland mit gutem Audio, der Draht wieder nur schwer
mangelhaft. Der nächste Hölländer kommt auf 747 kHz, Radio 5 in
Ortssenderqualität und S9+20dB.
Auch die Drahtantenne bringt es zu einem rauschendem Audio mit S7, Fading inbegriffen. Weitere Stationen bis zum Ende der Radio-Mittelwelle zeigen das gleiche Bild und sagen aus, dass für Mittelwelle eine abstimmbare magnetische Antenne zwingend ist, will man dem Ohr keinen Schaden zufügen.
MDR Info
Das wurde an dieser Stelle noch einmal auf 873
kHz mehr als deutlich, denn wo mit dem Draht einfach kein Sender zu vernehmen
war, brachte das Mittelwellenmodul einen englisch sprechenden Radiosender,
wahrscheinlich AFN, fast in Ortssenderqualität zu Gehör. Gutes Audio und eine
satte S9+20dB inbegriffen!
Das Nachstimmen zwischendurch war übrigens völlig
unproblematisch, und auch die Module ließen sich sehr schön leichtgängig
drehen. Leider war das 160m-Band der Funkamateure an diesem Abend, wie oftmals
festzustellen, verwaist, sonst hätte man hierzu noch eine Aussage treffen können.
Allerdings zeigte, etwas weiter gedreht, ein
starkes, gut dekodierbares Signal in RTTY, dass die Marine Den Helder (Holland)
mit Ihrer Station PBB auf Sendung war und beide Antennen mit S6 und S9 nahe
beieinander lagen. Schließlich kam noch von Witowo Radio mit der Kennung SPS
auf 2720 kHz ein zweisprachiger Wetterbericht. Erst im 80m-Band der Funkamateure
musste die BAZ-Antenne mit dem MW-Modul völlig und überzeugend an die
Langdraht im Garten übergeben.
Fazit
Eine langwellige Frequenz bedarf einer speziell
konstruierten Antenne mit magnetisch arbeitender Wirkung. Die Praxis lehrt, dass
eine entsprechende Drahtvariante aus Platzgründen kaum zu realisieren ist. Das
auf der magnetischen Komponente der Signalverarbeitung arbeitende System
VM/DX-B2 und die dafür ausgelegten Module decken einen breiten Bereich von Längstwelle
bis ca. 3 MHz ab.
Mit zwei verschiedenen dieser Module konnte die
Wichtigkeit dieser Antennenart von 100 kHz bis ca. 3 MHz verdeutlicht werden,
wobei eine externe Langdrahtantenne zum Vergleich grundsätzlich das Nachsehen
hatte bzw. völlig versagte.
Das Grundgerät und die Module sind von solider
Konstruktion und dürften nicht nur im Hobbybereich Interessenten finden. Für
die unkomplizierte Testmöglichkeit danken wir der Firma BAZ Spezialantennen in
Bad Bergzabern.
BAZ Spezialantennen im Web
http://www.spezialantennen.eu/
http://www.magnet-ferritantennen.de/
http://www.amateur-radio-antenna.com/
Stand: 9/2009